Chemnitz-Weimar und zurueck

In Chemnitz hat der sich selbst „Elite“ nennende politisch-mediale Komplex zugleich in den Spiegel und in die Kristallkugel geschaut.

In der Kristallkugel sah Frau Elite die eigene Zukunft, und nur an dieser war sie, die den Glauben an ein Jenseits als Kinderkram abzutun gewohnt war, interessiert. Hierfür hatte sie schließlich alles gegeben, Unschuld, Ehre, Vaterland, Wahrheit. Man hatte ihr ja auch viel dafür versprochen, Geld vor allem, materielle Sorglosigkeit, ein Leben entrückt von den Beschwernissen der Massen, behütet und beschützt von der Macht des Geldes und der US Air Force. Wie heisst es schon im Alten Testament so richtig: „Geld ist die Antwort auf alle Fragen“.

Doch nun musste Frau Elite erkennen, dass sie belogen worden war – wie alle anderen auch. Nichts schmerzt mehr als ein plötzlicher Verlust von Privilegien, echten oder eingebildeten. Die Wahrheit und ihre Zukunft war, und das sah sie den brüllenden, gestikulierenden Menschen in ihrer Kristallkugel an, dass niemand sie schützen würde vor der Wut der Massen, dem Furor Teutonicus. Weder Bodyguards noch Polizisten würden im entscheidenden Moment ihr Leben für sie, die Dame Elite, riskieren. Und plötzlich war sie sich nicht mehr sicher, dass sie noch den letzten Flieger nach Neuseeland erwischen würde, bevor der Würgeengel sie erwischte.

Von der Kristallkugel ging ihr entsetzter Blick in den Spiegel. Dort wartete das Haupt der Medusa auf, ein teigiges, schwach weiblich anmutendes, kraftloses Gesicht, umzischelt von den gewundenen Phrasen, die es seit Jahrzehnten zu dreschen gewohnt war. Vorbild und Abbild gingen dann augenblicklich am eigenen Anblick zugrunde, denn da war nichts mehr, kein Geschlecht, kein Verstand, kein Anstand, keine Kinder, keine Zukunft, nicht einmal mehr echte Häßlichkeit, nur diese immer weiterlaufende Veranstaltung, die sich seit dem Jahr ihrer Fremdgründung „Bundesrepublik“ nannte.

29. August 2018 Friedrich Wilhelmi

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