Die Luege in den Zeiten der Umvolkung

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.

Selbst wenn also die letzte Kanzlerin dieser Republik nun dazu übergehen würde, uns reinen Wein einzuschenken, à la: „Leute, ich habe Scheisse gebaut. Ich habe mich seit der Wende, nachdem meine Stasiakte in deren Hände geraten war, für amerikanische Geheimdienste verdingt, ohne deren Weisung ich keinen Mucks gemacht habe.“ Nützen würde es ihr nichts mehr, im Gegenteil, ihre Machtarchitektur würde endgültig ins Gleiten geraten, ihr Stolpern und ihr rascher Sturz wären unvermeidlich, weder der getreue Kauder noch selbst ein John C. Kornblum, seit Jahrzehnten bewährter Proconsul Germaniae des III. Römischen Reiches, könnten ihn nicht aufhalten.

Das Volk braucht Narrative, sagen uns die postfaktischen Willkommensflüsterer. Eines dieser Narrative lautet, dass man (die EU, die Kanzlerin, die Staatsgewalt) von der Flüchtlingskrise „überrascht gewesen sei“, und als dann im September letzten Jahres tausende über die Autobahn nach Deutschland liefen, habe man keine andere Wahl gehabt als sie hereinzulassen. An diesem Satz stimmt vielleicht, dass im September 2015 mehrere tausend Menschen, von Ungarn über Österreich kommend, ohne Grenzkontrolle und ohne Widerstand deutscher Zöllner deutsches Staatsgebiet betreten haben. Der Rest ist Narrativ, das seltsame Gebaren unserer Staatsführung wird post factum umgedeutet in eine „grosse und warmherzige Geste der deutschen Bundeskanzlerin.“

Wie kann es sein, dass nachträglich alle überrascht tun, obwohl doch schon seit Jahresbeginn 2015 die Flüchtlingszahlen rasant anstiegen und jedem unbefangenen Zeitungsleser klar sein musste, dass übers Jahr wohl hunderttausende kommen würden?

Gut, lassen wir das Jahr 2015 Vergangenheit sein, es sind wohl zwischen einer und einskommafünf Millionen Menschen nach Deutschland gekommen im letzten Jahr, sehen wir lieber zu, dass in 2016 nicht noch einmal dieselbe Masse kommt.

Aber wer weiss, vielleicht ist die Millionengrenze in diesem Jahr (2016) auch schon längst erreicht oder überschritten. Die, die es wissen könnten, Politik und Verwaltung, wollen es gar nicht so genau wissen, geschweige denn, die Fakten publik machen. Immer noch gibt es keine koordinierte, verlässliche und zeitnahe Erfassung aller die deutsche Grenze überschreitenden Migranten. So muss man also weiterhin mit Schätzungen leben.

Für 2015 aber, das Jahr, in dem mutmasslich hunderttausende ohne jegliche Kontrolle über uns kamen, will die Bundesregierung im Nachhinein eine Zahl liefern, an die wir fortan glauben sollen: Es seien nicht 1,5 Millionen, sondern „nur“ 890.000 gewesen. Dass die ersten Zahlen zu hoch gegriffen gewesen seien, habe an Mehrfachmeldungen gelegen. Aha. Nun, mag ja sein, dass der eine oder andere Asylbewerber sich erst in dem einen Bundesland und dann in dem anderen gemeldet hat, sei es, um sein Taschengeld aufzubessern, sei es rein versehentlich. Das kann aber denjenigen – nicht eben kleinen – Teil der Migrationswelle nicht betreffen, der sich überhaupt nie für meldebedürftig hielt, sondern gar nicht erst auf dem behördlichen Radar erschien, und, kaum angekommen,  gleich untertauchte?

Und dann die Zahl selbst: Deutlich unter der Million soll sie liegen, aber nicht zu auffällig erdacht soll sie wirken, also nicht sowas wie 999.999 (hahaha), sondern eine solide Hausnummer, sagen wir 890.000, das ist doch der Gipfel der Glaubwürdigkeit. Nicht zu viel und nicht zu wenig, genauso wie die vierkommairgendwas für die AfD bei der letzten Bundestagswahl und die 15 Prozent, die sie in den nächsten paar Jahren bekommen wird bei ähnlichen Wahlgelegenheiten und solange, bis Deutschland, dieses Sparschwein des american empire, geschlachtet, ausgeweidet und den afrikanischen und mittelasiatischen Wohlstandsnomaden zur Verwertung und Verwesung überlassen ist.

Ich selbst glaube der Narrativpresse und allen Vertretern des Hegemons, den Röttgens, Gabriels, Schulzens, Hofreiters, Roths, Becks, Kahanes etc. nicht einmal mehr die Zeitansage. Kurz vor der Mitternacht des Systems würden sie niemals preisgeben, welche Stunde es geschlagen hat.

10. Oktober 2016, Theo B. v. Hohenheim

 

 

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