Das Establishment – vom „Spiegel“ bis zu George Bush senior – ist geschlossen gegen Trump. Das sollte gerade den sogenannten „Linken“ zu denken geben, tut es aber augenscheinlich nicht.
Die Vorwürfe könnten platter nicht sein: Sie reichen von „Unberechenbarkeit“ (früher hiess das „Unbestechlichkeit“) über „Rüpelhaftigkeit“ (ehedem „Schnörkellosigkeit“ und wurde besonders bei einem, den das dt. Volk als „Schmidt Schnauze “ kannte, geschätzt) bis hin zu „Sexismus“ – dieser Anklagepunkt ist ja bekanntlich der neue Faschismusverdacht und hat zumindest in Deutschland den unmittelbaren sozialen Kältetod zur Folge.
Und Clinton? Sie ist – im wahrsten Sinne – der „Teufel, den man kennt“ – und sie steht seit dreissig Jahren, seit den Zeiten ihrer Mitregentschaft im Weissen Haus, an der Seite ihres Gatten Bill, für die vorgeblich alternativlose Politik des amerikanischen Imperiums, uns die Globalisierung samt Nebenfolgen als ein Naturereignis zu verkaufen, gegen das Widerstand zwecklos ist.
Während Trump wie jeder brave Unternehmer Steuern vermied (nicht: hinterzog), wo er konnte, was wir ja solch hippen Konzernen wie Apple und Facebook im grösseren Massstab gerne nachsehen, hat sich die Dame Clinton gegen finanzielle Zuwendungen jahrelang von der Wall Steet in Dienst nehmen lassen, und nicht nur von ihr, sondern auch von so zweifelhaften Regimes wie dem saudischen Königshaus.
Wikileaks-Gründer-Assange hätte sie am Liebsten eine Drohne auf den Kopf geschickt, dumm nur, dass der gute Mann an sehr exponierter Stelle in der Botschaft Ecuardors im Herzen Londons um Schutz nachgesucht hat, offenbar nicht ohne Grund, wie Frau Clintons saftige Äusserungen zu dem Thema nahelegen.
Mag Trump also unberechenbar sein, bei Clinton kommt berechenbar – sie hat es jahrzehntelang im Amt unter Beweis gestellt – weniger für die meisten heraus, weniger Geld, weniger Sicherheit, wirtschaftlich, gesellschaftlich und militärisch, dafür aber mehr für die wenigen, die sogenannten Eliten, nennen wir sie doch vornehm griechisch beim Namen: für die Oligarchen, deren 62 ja schon die Hälfte der Welt besitzen sollen.
Die Eliten hassen Trump nicht, weil er ein Rüpel ist. Sie hassen ihn nicht einmal. Er soll nur nicht gewinnen, denn er könnte das einleiten, was einst ein Gorbatschow für Russland geleistet hat: den Rückbau eines überdehnten, überlasteten Imperiums. Frau Clinton dagegen steht wie ehedem Gorbatschows Vorgänger Tschernenko für den status quo, die Fortsetzung der Stellvertreterkriege, des Leidens der Vielen, für das langsame Verenden des amerikanischen und europäischen Bürgertums.
Das sind nur die objektiven Fakten. Und dann ist da noch der verheerende Eindruck, den die Systemmedien nicht wegretuschieren können: Wenn ich Frau Clinton in den Fernsehdebatten sehe, dann sehe ich eine Besessene, eine Verzweifelte, ja, besonders an den irrlichternden Augen und dem gusseisernen Lächeln erkennbar, eine Wahnsinnige. Diese Frau war und ist zu allem bereit, leider auch zu höchsten Ämtern.
20. Oktober 2016 Friedrich Wilhelmi